Epistula

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Jänner 2019

Erwartungen

Kinder erwarten sich zu Weihnachten, Geschenke vielleicht noch vom Christkind, Erwachsene eine friedvolle Stimmung in der Familie, die Gläubigen die Geburt Jesu als den Beginn einer neuen Zeit. Doch zuvor muss noch das alte zu Ende gehen. Wir sind daher am 1 Adventsonntag noch mit endzeitlichen Texten konfrontiert.

Johannes ist aufgebrochen, weil das Wort Gottes an ihn erging, er solle Umkehr predigen. Wer sich aufmacht, muss sich dafür bereiten. Dann müssen auch alte Gewohnheiten aufbrechen, muss man bereit sein, sie hinter sich zu lassen.

Johannes ist nicht selbst der Messias, er bereitet dessen Ankunft nur vor. Am 3. Adventsonntag, dem Tag Gaudete, feiern wir diese Vorfreude.

Maria besucht Elisabeth, ihre Verwandte. Dieser Besuch zeigt die Erwartungen und die Freude. Johannes hüpft im Mutterschoß. Welche Besuche machen wir? Auf welche bereiten wir uns vor.

Jesus, der Heiland wird uns geboren. Die Erfüllung der Weissagung, der Verkündigung ist geschehen. Doch ist sie mit einer Überraschung verknüpft. Nicht ein starker, politischer Messias, sondern ein kleines Kind wird uns geboren.

Das wir auch am Sonntag Erscheinung des Herrn deutlich. Die Erwartungen der Sterndeuter ist eine andere, als die von Herodes. Wahrscheinlich sind sie alle überrascht, was sie in der Krippe vorfinden, wohin sie der Stern gebracht hat.

Mit der Taufe Jesu schließt der liturgische „Weihnachtskreis“. Gott bekennt sich zu seinem geliebten Sohn. Die Zweifel, so es sie gab, sind vorbei. Jesus ist der Messias.

Selbstverständnis

Wieviel Selbstverständnis haben wir Gläubige? Was gehört denn zum Glauben eigentlich dazu? Es erscheint wie eine Selbstverständlichkeit, doch ist es keine: Manchmal fällt es schwer, Gott um Konkretes zu bitten. Das erscheint zu banal, man will Gott damit nicht belästigen. Jesus fragt den blinden Bettler, was er möchte: wieder sehen können.
Als Antwort auf die Bitte um Heilung, manchmal auch schon vorweg als Apriori, hören wir Gottes Wort, das uns Heilung, Heil-Sein zuspricht. In den Seligpreisungen zu Allerheiligen hören wir was Jesus den Beladenen, Verfolgten, Trauernden, Hungernden etc. verheißt.
Wirksam kann dies nur werden, wenn wir Gott als Gott erkennen und akzeptieren, das heißt von ihm auch Heil und Heilung erwarten. Im Markusevangelium wird wiederholt, was uns aus dem Deuteronomium bekannt ist: Gott ist der einzige, der Herr. Er ist ein personaler, uns liebender Gott.
Wegen dieser Liebe sind auch wir fähig zu lieben und anderen zu helfen, also zu teilen und zu geben. Die Witwe gibt von dem Wenigen, was sie hat noch Elija. Dafür versiegt der Mehltopf und der Ölkrug während der Dürreperiode nicht. Im Markusevangelium wirft die Witwe ihren ganzen Besitz in den Opferstock. Ihre Haltung wird deshalb von Jesus gelobt.
Welche Not ist am dringendsten, was ist zu tun? Das braucht die Unterscheidung der Geister, das braucht die Fähigkeit die Zeichen (der Zeit) zu erkennen. Im Kirchenjahr hat dies immer auch mit dem Ende Jesu zu tun und wird und wurde auch immer apokalyptisch gedeutet.
Es geht um das, was wir am Christkönigssonntag feiern, das Königtum Jesu, das nicht von dieser Welt ist.
 

Gebote

Jesus fordert radikale Trennung von den Dingen, die uns verführen. Das Wort vom Mühlstein um den Hals, das Abhacken der Hand oder des Fußes, das Ausreißen des Auges, all das klingt radikal und unerträglich. Dieses scheinbar unmenschliche Gebot kann durch unsere eigenen Erfahrungen eine neue Deutung erhalten. Es ist leichter uns von dem, was uns „verführt“ ganz zu trennen, als zu meinen, wir müssten nur besser achtgeben, wir könnten uns irgendwie arrangieren.
Das Gebot des darauffolgenden Sonntags ist das Gebot des Beisammenbleibens. Gott hat man und Frau geschaffen, sie sollen sich nicht wieder trennen. Die Treue zum eigenen Weg, mit allen Schwierigkeiten und Hindernissen ist so wie ein Kind anzunehmen, von dem man nicht weiß, wie es sich entwickeln wird, wohin es gehen wird. Das Kind also um seiner selbst willen annehmen.
Dem Beisammenbleiben steht das Gebot gegenüber loszulassen, die eigenen Talente, Hab und Besitz. Das fällt manchen sehr schwer. Das Geschenk dafür ist das Himmelsreich, geglücktes Leben hier und jetzt. Was gilt es loszulassen, um frei zu werden für das wichtige im Leben.
Unsere Verantwortung in der Gesellschaft kann man nicht wahrnehmen, indem man sich um die vordersten Plätze streitet, sie realisiert sich nur im Dienst. Doch ist nicht all unser Tun auch ein Dienst, eine Hilfe für andere, manchmal dienen wir nur uns selbst, unseren Egoismen. Jesus erwartet ein selbstloses Dienen. Schaffen wir es, auch dieses Gebot ernst zu nehmen?