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Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
liebe Friedhofsbesucher!
Sie stehen am Grab Ihrer Lieben, am Grab von Familienmitgliedern oder gut Bekannten, am Grab von Menschen, die Ihnen viel bedeutet haben. Ihre Gedanken wandern zurück und die eine oder andere Situation, besondere Ereignisse, tiefe Gefühle, dichte und prägende Erinnerungen tauchen ganz lebendig auf. So vieles wird in dieser Stunde wach und gegenwärtig. Und wir sind still und denken nach.
Als Lesung haben wir einen kurzen Text aus dem Alten Testament gehört, einen Text des Propheten Jesaja. Einen Gedanken daraus möchte ich ein wenig vertiefen und Ihnen mitgeben.
Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen. Gott spricht in den vorgelesenen Zeilen einen gewissen „Jakob“ an. Er spricht ihn direkt an: „Jetzt aber – so spricht der HERR – der dich erschaffen hat, Jakob… Fürchte dich nicht … ich habe dich beim Namen gerufen. Du gehörst mir! (Jes 43,1)
Mit diesem „Jakob“ ist ein ganzes Volk gemeint, das erwählte Volk Gottes, das Volk Israel. Was ich aber besonders bemerkenswert finde, ist die Aussage: „Ich habe dich beim Namen gerufen.“ Gott ruft also den Jakob beim Namen, ganz persönlich, direkt – und damit auch uns, dich und mich. Man könnte den Namen Jakob auch durch Sarah, Hannes, Valentina, David, Anna, Robert… austauschen. „Ich rufe dich bei deinem Namen.“
Gott ruft uns bei unserem Namen. Er meint dich und mich. Ganz persönlich. Wir alle sind ihm so viel wert, dass er uns kennt und als Du wahrnimmt, als einzigartige Menschen. Mit meiner Geschichte, mit allem, was ich bin, mit meinen Prägungen, meinen wunderbaren Seiten und meinen Schwachstellen, mit allen Glückseligkeiten und auch mit meinen Lasten und Bitterkeiten kennt mich Gott. Für Gott gehöre ich nicht zu einer anonymen Masse. Gott ruft mich bei meinem Namen.
Der Name ist ganz wichtig. Das weiß jeder und jede von uns. Im Namen sammelt sich unsere Persönlichkeit. Wenn jemand unseren Namen ruft, dann wissen wir: Ich bin gemeint. Nur ich. Niemand sonst. So einzigartig wie mein Name, so einzigartig bin ich. Wenn ich mit meinem Namen unterschreibe, dann ist das Ganze gültig.
Der Name ist wichtig. Deshalb schreiben wir auch die Namen unserer lieben Verstorbenen auf das Grab, auf den Grabstein, auf das Urnengrab. Vor uns liegt keine anonyme Bodenfläche, vor uns steht kein anonymer Behälter. Der Name fasst zusammen, wer wir sind. Im Namen wird alles gebündelt. Das konkrete und sehr individuelle Leben des Verstorbenen ist damit gemeint. Immer wieder erlebe ich bei der Geburt eines Kindes und auch bei der Taufe, wie sorgfältig und bewusst der Name ausgesucht wird. Der Mensch mit diesem Namen, der bist du, und nur du.
Wir lesen die Namen unserer lieben Verstorbenen. Sie sind nicht mehr am Leben, aber ihr Name macht sie ein Stück gegenwärtig. Sie sind ein Teil von uns. Und damit verbunden jetzt die tröstliche Botschaft des Glaubens: Gott ruft uns beim Namen, dich und mich. Gott ruft unsere lieben Verstorbenen beim Namen. Er nimmt jeden einzelnen Menschen an sein Herz. Und selbst dann, wenn wir Menschen einander vergessen: Gott vergisst uns nicht. Er kennt unseren Namen und unser Name ist in seine gute Hand eingeschrieben.
Deshalb: Schauen Sie auf den oder die Namen vor sich, auf dem Grabstein, auf dem Urnengrab. Und lassen sie die Menschen, die diese Namen getragen haben, vor sich und in sich lebendig werden. Gott vergisst sie nicht.
Und noch eines: Schauen Sie um sich. In einem näheren oder weiteren Umkreis. Da sind Menschen, mit denen Sie mehr oder weniger verbunden sind. Die Sie lieben und gern haben, auch wenn im Leben nicht immer alles leicht ist. Sie sehen Menschen, die Ihnen vielleicht wehgetan haben, mit denen sie im Streit leben. Menschen, die Ihnen fremd sind.
Sie alle tragen einen ganz persönlichen und einzigartigen Namen. Dieser Name verdient Aufmerksamkeit. Denn so schnell kommt der Tag, wo nur mehr der Name bleibt. Der Name als Zusammenfassung eines Lebens. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott diesen Namen nicht vergisst, dass er ihn immer in seinem Herzen birgt. Hoffentlich wir auch. Aber diese Feier am Friedhof ist auch eine Mahnung an uns, eine Mahnung zu lieben. „Beeilen wir uns, die Menschen zu lieben, sie gehen so schnell.“ (Jan Twardowski)
Jakob Bürgler
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Datum: 01.11.2024
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