Lebens-Stil auf Basis der Seligpreisungen

Wie können die Seligpreisungen heute gelebt und wirksam werden? Gedanken von Unipfarrer Jakob Bürgler zum Evangelium des Allerheiligenfestes findest du hier.

Allerheiligen

1. November 2024

 

Jedes Jahr an Allerheiligen hören wir die Seligpreisungen. Einen wunderbaren Text, der in die Weltliteratur eingegangen ist. Wir werden hineingenommen in eine Situation, in der Jesus als der neue Lehrer sichtbar wird. Mose, der Lehrer im Alten Bund, am Berg Sinai. Jesus, der neue Lehrer, am Berg der Seligpreisungen. Die Seligpreisungen sind dabei der „Auftakt“ der Bergpredigt. Und mit der Bergpredigt sind wir mitten in dem, was den Kern der neuen und frohen Botschaft Jesu ausmacht.

Die Seligpreisungen. Was können sie uns für unser Leben und Zeugnis als Christinnen und Christen, als Pfarrgemeinde mitgeben? Drei kleine Gedanken: Selig. Dürsten. Frieden.

Selig

Wir sprechen manchmal von „Glückseligkeit“. Da verbinden sich die beiden Worte „Glück“ und „selig“. Eine Übersetzung für das griechische Wort für „selig“ ist „glücklich“. Glücklich die Sanftmütigen, glücklich die Barmherzigen.

Jesus macht deutlich: Gott will, dass wir glücklich sind. Dass unser Leben gelingt. Dass wir zu einem tiefen Lebensglück finden. Und das gilt nicht nur für irgendwann einmal, für eine Zeit nach diesem irdischen Leben. Das gilt für jetzt, für dieses Leben. Gott will, dass wir glücklich sind.

Gott will uns nicht vertrösten, sondern trösten. Das Wort Jesu gilt für jetzt, in den ganz konkreten Situationen des Lebens. Jetzt soll etwas von der Seligkeit des Evangeliums spürbar werden. Es gilt also, aufmerksam zu bleiben für die Spuren seines Trostes im ganz gewöhnlichen Alltag.

Der Glaube will ein Glück vermitteln und schenken. Der Glaube hat einen Mehr-Wert. Der Glaube ist ein Plus! Uns ist ein ganz großer Schatz in die Hände gelegt. Und wir dürfen den Menschen unserer Zeit dieses Glück, diese Freude an-bieten.

Dürsten

Auffällig ist, dass in den Seligpreisungen Jesu von einem Mangel ausgegangen wird, also von Menschen, die nicht alles haben, bei denen nicht alles perfekt ist, wo ein Bedarf besteht. Die Armen, die Trauernden, die Dürstenden, die Verfolgten. Sie alle haben einen Mangel. Vor kurzem ist ein älterer Mann gestorben, der mir zu einem tiefen Freund geworden ist. Wenn es ihm nicht so gut gegangen ist, dann hat er auf meine Frage, wie es ihm denn gehe, geantwortet: „Mangelhaft“. Also nicht „schlecht“, sondern „mangelhaft“.

Wir alle haben einen Mangel, jeder Mensch, und die meisten wissen auch um ihren Mangel. Ein Wort von Leonard Cohan beschreibt diese Lücke: „There is a crack in everything”. Alles hat einen Riss, eine Wunde, einen Mangel. Aber der Satz von Leonard Cohan geht weiter: “That’s how the light get's in.” Wo der Mangel ist, da kommt das Licht herein. Gott ist einer, der erfüllen und aufbauen will. Gott kann nur dort erfüllen, wo ein Mangel ist, wo Platz ist.

Unsere Aufgabe als Christinnen und Christen ist es, an den Wunden der Menschen teilzuhaben. Dann können wir auch staunen, wie Gott auch heute heilt.

Frieden

„Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9) Die Bitte um den Frieden ist ein bedrängendes Anliegen. In den letzten Jahren bedrückt es uns sehr. Überall, so hat man den Eindruck, brechen Konflikte und Krisen aus, Kriege und Gewalt. Es geht um den Frieden in der Welt, aber auch um Verwerfungen und Zerwürfnisse in der Gesellschaft, in den Familien. Es gibt so viel Zerbrechendes.

Was wollen uns die Seligpreisungen dabei ans Herz legen? Ich würde sagen: Versöhnungsbereit bleiben, auch dann, wenn wir ohnmächtig sind, wenn wir nicht wissen, wie eine Versöhnung möglich werden soll. Versöhnungsbereit bleiben. Der Rache und der Vergeltung keine Chance geben. Immer wieder und immer neu Brücken bauen.

Die Pfarrgemeinde kann und soll dabei ein Ort der Versöhnung sein. Das ist und das wäre ein wunderbarer Dienst an unserer Gesellschaft. Die Kirche als Ort der Versöhnung. Können Menschen bei uns erleben, wie Versöhnung geht, wie Versöhnung möglich ist? Bitten wir darum, aus einem inneren Frieden heraus zu leben, und ein Zeugnis der Versöhnung zu geben.

Jakob Bürgler

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Datum: 01.11.2024

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