Gott lädt unermüdlich ein

Gott ist wie ein König, der unermüdlich und unverdrossen zum Festmahl einlädt. Die Eingeladenen haben keine Zeit. Was machen wir mit der uns gegebenen Zeit? Glauben braucht Zeit und unsere Zeit braucht den Glauben. Gedanken von Unipfarrer Jakob Bürgler zum Gleichnis Jesu vom König und der Hochzeit seines Sohnes findest du hier.

27. Sonntag im Jahreskreis

11. Oktober 2026

Antrittsgottesdienst der Universitäten und Hochschulen

Jesuitenkirche

Eine starke Geschichte. Die Erzählung vom König und von der Hochzeit. Alles ist vorbereitet. Alles wird aufgeboten. Jeder und jede ist eingeladen. Zum Fest aller Feste. Und dann das: Kein Echo. Flaute. Und das falsche Kleid.

Ich muss sagen: Diese Geschichte weckt in mir eine lebendige Erinnerung an meine Kindheit. Bei den großen Prozessionen in Lienz ist diese Geschichte immer als Evangelium vorgelesen worden. Und ich weiß noch, wie sehr mich diese Erzählung berührt hat. Warum, das weiß ich nicht mehr. Aber ich vermute: Es war das Bild vom großen, festlichen Mahl, zu dem alle, und zu dem auch ich eingeladen bin. Mir fällt dazu Papst Franziskus ein, der nicht müde geworden ist, zu sagen: Alle. Alle. Alle. Todos. Alle sind eingeladen und willkommen!

Es ist die Hochzeit eines Königs. Und da gibt es ein festliches Bankett. Essen und Getränke in Hülle und Fülle. Die Tische biegen sich. Wer möchte da nicht dabei sein? Drei kleine Gedanken dazu: Die Einladung. Die Zeit. Der Punkt.

Die Einladung

Der König lädt ein, unermüdlich, immer wieder neu. Trotz aller Enttäuschungen. Gegen alle Erfahrung, dass es scheinbar nichts bringt. Der König lädt ein. Zuerst einmal die eingeladenen Gäste, also jene, die schon gewusst haben, dass die Hochzeit stattfindet. Zwei Mal setzt er an. Und schließlich alle, die angetroffen werden. Zufällig. Es zählt nicht die Leistung, nicht die Würde, nicht ein besonderes Talent. Alle werden eingeladen.

So ist Gott. Gott ist ein Gott, der einlädt, immer wieder, unermüdlich. Er ist einer, der einlädt trotz aller Resonanzlosigkeit, trotz aller Mühe, die einen unglaublich langen Atem braucht. Er lädt ein. Und das bedeutet: Jeder und jede hat eine Chance. Immer wieder. Gott gibt nicht auf. Er gibt niemanden auf. Er sucht mich und dich. Er will, dass wir bei ihm ein Fest feiern, dass wir glücklich werden, dass seine Lebensfülle uns erreicht. Gott ist ein Freund des Lebens. Die Einladung am Beginn des akademischen Jahres lautet: Geben wir Gott eine Chance. Ohren auf, Herz auf: Gott lädt dich ein.

Die Zeit

Jetzt wird es schwierig. Die Einladung geht ins Leere. Niemand kommt. Kein Echo. Flaute. „Sie aber wollten nicht kommen.“ (Mt 22,3) Die Tür ist offen, aber es geht niemand hindurch. Im Evangelium wird sogar begründet, warum das so ist. Der eine muss arbeiten am Feld, der andere muss Geschäfte machen im Laden, der dritte stört sich daran und blockiert die Einladung mit Gewalt. Ja er bringt den Einladenden um. Er möchte ihn nicht mehr sehen. Aus dem Weg räumen nennt man das.

Keine Zeit: Das ist der gemeinsame Nenner. Ich bin am Weg zum Bouldern. Ich treffe mich heute mit meinen Freundinnen im Café. Ich muss dringend was für meinen Body tun und habe einen Termin im Fitnesscenter. Und ich bin so müde: Wenn ich mich nicht ausschlafe, dann bringe ich beim Studium nichts weiter.

Was bildet den Hintergrund dieser Erzählung? Es ist die Erfahrung Jesu, abgelehnt zu werden. Vom erwählten Volk Gottes, vom Volk des alten Bundes. Aber die Geschichte gilt auch heute, gilt auch uns. Was hindert uns, der Einladung zu einem lebendigen und tiefen Glauben nachzukommen? Die Zeit. Oder doch nicht? Und dann gibt es die Leute, die Zeit haben. Aber das sind die anderen, die nicht erwartet werden. Die vielleicht gar nicht im Blick sind. Schauen wir nach Frankreich oder England: Auf einmal kommen Leute, mit denen niemand gerechnet hat. Sie interessieren sich für den Glauben. Sie folgen der Einladung, die sie im Herzen spüren. Der Papst in Paris: Das war ein Hammer!

Und die Fragen an uns lautet: Wo sind die Kreuzungen, an denen diese Menschen stehen und etwas entdecken wollen? Als Unipfarre haben wir da einen spannenden Auftrag. Und wenn es nur das Flyern am Campus ist.

Der Punkt

Noch einmal wird die Erzählung vom Hochzeitsmahl dramatisch. Der Saal ist voll, vermutlich auch mit Leuten, die nicht so recht wissen, wie sie da hergekommen sind und wie das hier abläuft. Aber das macht nichts. Der Tisch ist gedeckt, auch für sie. So eine Großzügigkeit! Doch dann ist da einer, der kein Hochzeitsgewand an hat. Und es stellt sich die Frage: Warum ist der König auf einmal so kleinlich? Hat er nicht alle, alle, alle mit freiem Herzen eingeladen? Und jetzt das! Es wird im Letzten doch nicht um ein Stück Stoff gehen!

Stimmt. Es geht nicht um ein Stück Stoff. Es geht letztlich auch nicht um das Hochzeitskleid. Es geht darum, dass dieser eine auf die Frage, warum das so ist, keine Antwort hat. „Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm.“ (Mt 22,12) Dieser eine, er hat kein Argument, keine Erklärung. Er ist einfach mitgelaufen. Er hat sich den Platz am Tisch erschlichen.

Es geht um diesen kleinen, ganz kleinen Punkt: Sich einlassen. Ein Zeichen setzen. Das Herz ein wenig öffnen. Einen Spalt nur. Dieser eine setzt kein Zeichen der Zustimmung. Er bleibt stumm. Es tut sich nichts. Flaute. Kein Echo. Man könnte auch sagen: Dieser eine hängt an seinem alten Kleid. Bei Gott eingeladen sein bedeutet, sich verändern lassen, sich wandeln lassen, sich „einkleiden“ lassen. Was es braucht, ist nur ganz wenig, ein kleiner Punkt: Sich im innersten Punkt oder Pünktchen des Herzens anrühren und bewegen lassen.

 

Die Einladung. Die Zeit. Der Punkt. Am Beginn des akademischen Jahres hören wir heute die intensive und geradezu drängende Einladung Jesu. Du bist willkommen! Du bist gern gesehen! Es geht um dich! Du bist eingeladen, ehrlich zu schauen, was dich hemmt, was dich nicht starten lässt, was dir die Zeit frisst. Und: Es geht um das innerste Pünktchen in deinem Herzen, in deiner Seele. Es geht um den ersten, kleinen Schritt. Mache ihn! Geh dem festlichen Mahl entgegen. Lass dich anrühren und mitnehmen.

Jakob Bürgler

Kategorie:

Datum: 11.10.2026

Share it

katholisch

Die Unipfarre Innsbruck ist ein Ort, in dem Begegnung mit Gott, mit Jesus Christus, mit den Mitmenschen und mit sich selbst möglich ist.

mehr dazu

studentisch

In der Unipfarre engagieren sich Studierende. Alle Angebote werden durch Student:innen mitgetragen. "Vielfalt" ist Progamm. 

mehr dazu

seelsorgerisch

Wir begeben uns mit dir auf die Suche nach dem, was Leben gelingen lässt, Freude bereitet und dich stärkt.

mehr dazu

Adresse

Universitätspfarre Innsbruck
Josef-Hirn-Straße 7 / 5. Stock
A-6020 Innsbruck in Tirol
Österreich

email

Karte

Du bist interessiert?

Wir freuen uns auf deine Kontaktaufnahme! Bitte melde dich.

Kontakt

Unsere Mission

Mit DIR machen wir uns auf die Suche nach dem, was Leben gelingen lässt, was Freude bereitet und DICH stärkt.

Universitätspfarre Innsbruck
ImpressumKontaktDatenschutz

powered by webEdition CMS