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25. Sonntag im Jahreskreis
Erntedank
20. September 2026
Jesus ist ein Meister der Bilder. Seine Reden sind voll davon. Mit einfachen und sprechenden Bildern vermag er auszudrücken, was ihm wichtig ist, was ihm am Herzen liegt, wie Gott ist. Aber: Manchmal sind die Bilder und Reden Jesu nicht ganz so einfach und verständlich! Zum Beispiel heute. Wie soll man das verstehen, was Jesus im Gleichnis vom Gutsbesitzer vom Himmelreich erzählt? Der letzte Arbeiter bekommt gleich viel wie der, der den ganzen Tag geschuftet hat. Ist das nicht tatsächlich ungerecht? Sind die Buggler wieder einmal die „Dummen“? Muss sich nicht, um mit der aktuellen Politik zu sprechen, der Fleiß und die Leistung wieder mehr auszahlen?
Ich möchte heute versuchen, den Gutsbesitzer ein wenig zu verteidigen und in ein besseres Licht zu stellen. Vielleicht gelingt es ja, ihn besser zu verstehen.
Zuerst einmal ist der Gutsbesitzer fair. Er zahlt allen ganz korrekt jenen Lohn aus, den er ihnen zugesagt hat. Man könnte sagen: Der Gutsbesitzer besitzt Handschlagqualität. Jeder bekommt genau das, was im Vorfeld vereinbart worden ist. Fairness ist ein hoher Wert.
Dazu ist der Gutsbesitzer ungemein großzügig. Er rechnet nicht mit menschlichen Maßstäben. Er gibt jedem im vollen Maß. Man könnte vielleicht auch sagen: Er gibt jedem alles. Großzügigkeit ist ein christlicher Wert. Und wenn wir an uns selber denken: Ist es nicht so, dass wir – vor aller Leistung – immer schon reich Beschenkte sind? Vom Leben, von Gott reich beschenkt?
Und dann ist der Gutsbesitzer auch noch unermüdlich. Unermüdlich geht er hinaus auf die Straße und wirbt. Immer wieder, den ganzen Tag über, fast zu jeder Stunde, geht er und wirbt Arbeiter an. Er trifft dort immer wieder Leute, die nicht arbeiten. Auf den ersten Blick mag Faulheit anziehend wirken. Letztlich aber zerstört die Erfahrung, nichts arbeiten und nichts leisten, sich nicht einbringen zu können, nicht gebraucht oder gefragt zu sein, den Selbstwert des Lebens. So angenehm, wie es klingt, ist das Herumhängen nicht. Gott sei Dank geht der Gutsbesitzer unermüdlich auf die Suche.
Der Gutsbesitzer ist fair, großzügig und unermüdlich. Eine kleine Ehrenrettung für ihn! Und er ist ein Vorbild für uns: Fair handeln, großzügig sein, unermüdlich sich einsetzen.
Und jetzt eine wichtige Frage: Wann genau entsteht eigentlich die Unzufriedenheit und der Neid der „benachteiligten“ Arbeiter? Eines ist interessant: Die ersten Arbeiter bekommen den ausgemachten Lohn. Und sie sind bei der Vereinbarung mit diesem Lohn auch zufrieden. Unzufrieden werden sie erst beim Vergleichen mit den anderen. Mit dem Vergleichen beginnt das Problem. Da verliert man den Blick auf Fairness, auf Großzügigkeit und auf großen Einsatz. Das Vergleichen und dann der Neid und die Eifersucht – sie machen unzufrieden.
Was können wir heute mitnehmen? Zuerst einmal die Tatsache, dass wir reich beschenkt sind. Und das, bevor wir irgendetwas geleistet haben. Ein Christ, eine Christin ist ein Mensch, der sich von Gott reich beschenkt weiß. Durch die Fülle an Leben. Durch die Kostbarkeit des Glaubens. Und dazu heute am Erntedankfest auch durch die wunderbare und fruchtbare Schöpfung. So ein Reichtum! So eine Fülle! Wir können nur staunen und dankbar sein.
Und dazu können wir vom Gutsbesitzer lernen, lernen hinauszugehen, einzuladen. Er kann uns anstiften, hinausgehen auf die vielen Markplätze unserer Gesellschaft, um Ausschau zu halten nach Menschen, die auf sich allein gestellt keinen Sinn mehr finden, die nach einem MEHR im Leben suchen. Der barmherzige Gott braucht uns als seine Helferinnen und Helfer, damit niemand sein Leben lang irgendwo herumhängen muss.
Jakob Bürgler
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Datum: 20.09.2026
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