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23. Sonntag im Jahreskreis
6. September 2026
Drei kleine Blitzlichter als Einstieg.
*Es wird unheimlich viel gestritten. Auseinandersetzungen, Konflikte, Missverständnisse, Beleidigungen, Kränkungen, Verletzungen, Streit: All das prägt das Leben. Und es kommt tagtäglich über die Medien wie eine Flut in unser Heim und Herz. Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, bekomme ich mit, wie viele Leute darüber reden, wie schlecht sie behandelt werden, wie sehr sie um etwas streiten müssen, wie schwierig und anstrengend die anderen sind.
*In der Kirche wird viel gestritten. Zu vielen Themen gibt es ganz unterschiedliche Meinungen und Positionen. Die anders Denkenden werden oft abgewertet und schlecht gemacht. Dazu kommen Unversöhnlichkeiten, Auseinandersetzungen, böses Gerede, ja Feindschaft zwischen einzelnen Christinnen und Christen. Das erregt Anstoß und Ärgernis, es schwächt das Zeugnis für das Evangelium.
*Jene, die mich besser kennen, wissen, dass ich meine geistliche Heimat in der ökumenischen Bruderschaft von Taizé habe. Papst Franziskus hat vor einigen Jahren den damaligen Prior der Gemeinschaft, Frère Alois, gefragt: Was ist es denn, was Taizé so attraktiv macht, was so viele junge Leute anzieht? Der Prior wusste nicht recht, was er sagen sollte, und sagte nur ein Wort: „fraternité“. Brüderlichkeit. Das Bemühen um eine gute, versöhnte Gemeinschaft. Das wirkt. Aber: Das ist auch ein täglicher Kampf und braucht viel Kraft.
Im Evangelium des heutigen Sonntags geht es um das Zeugnis einer versöhnten Gemeinschaft, um ihre Ausstrahlung. Es geht um die Frage, wie mit Konflikten, Streitigkeiten, Auseinandersetzungen umgegangen werden soll. Und die Tipps sind sehr konkret.
*In Kontakt treten. Zum anderen hingehen. „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh [zu ihm]…“ (Mt 18,15). Zieh dich nicht zurück. Bleibe nicht in der Rolle des Opfers oder des Gekränkten, sondern geh. Geh in den Kontakt mit dem anderen. Und man könnte fortsetzen: „Rede mit ihm. Sprich ihn an. Versuche ihn zum Guten zu gewinnen. Lade ihn zur Versöhnung ein.“
Immer wieder und immer wieder neu Wege des Zueinander und Wege der Versöhnung suchen, aufeinander zugehen, Brücken bauen, Frieden schließen, neu anfangen – darum geht es. Christliches Leben und Versöhnung gehören zusammen. Es ist ein ganz und gar nicht einfacher Weg. Versöhnung braucht ein lebenslanges Mühen.
*Hören und zuhören. Auffallend ist, dass im Evangelium heute vier Mal das Wort „hören“ vorkommt. „Hört er auf dich…“ (Mt 18,15) „Hört er aber nicht auf dich…“ (Mt 18,16) Es ist gar nicht so einfach, auf jemanden zu hören, der mir eine kritische Rückmeldung oder einen nicht angefragten Rat gibt. Da wirklich die Ohren und das Herz aufzumachen, braucht viel innere Bereitschaft.
Aber nicht nur derjenige, der gesündigt hat, der Schwierigkeiten macht, muss hören. Das Hören und Zuhören braucht es auch auf der anderen Seite. Die Kunst des Hörens und Zuhörens ist ein ganz wichtiger Schlüssel auf dem Weg der Versöhnung. Sicher kennt ihr die berühmte Geschichte „Momo“ von Michael Ende. Dort heißt es: „Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. …dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten.“ Hören und zuhören kann Brücken der Versöhnung bauen.
*Die richtige Reihenfolge. Am Beginn steht das Gespräch unter vier Augen. Gelingt hier keine Lösung, folgt ein Gespräch mit ein bis zwei Personen des Vertrauens. Die Information an die Nachbarn und die große Öffentlichkeit soll erst dann erfolgen, wenn die vorherigen Gespräche nichts gebracht haben.
Diese strikte Reihenfolge ist hilfreicher als die Neigung, alles zuerst den anderen zu erzählen und damit den Kreislauf des Bösen mit neuer Nahrung zu füttern und Gift zu verbreiten. Ich habe einen schönen Gedanken gefunden: „Wahre Freunde sehen deine Fehler und weisen dich darauf hin. Falsche Freunde sehen deine Fehler und machen andere darauf aufmerksam.“
*Gebet. Die Bibel ist ein realistisches Buch. Sie verschweigt nicht, dass es unter uns Menschen trotz vieler Bemühungen zu Brüchen kommt. „Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.“ (Mt 18,17) Auf den ersten Blick ein hartes Wort. Wenn man aber bedenkt, wie Jesus mit Heiden und Zöllnern umgegangen ist, dann spürt man: Da gibt es noch Hoffnung!
Und dazu kommt das Gebet. Wenn gar nichts geholfen hat, dann hilft hoffentlich das Gebet. „Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie … erhalten.“ (Mt 18,19) Wenn ich für jemanden bete, dann gebe ich etwas aus meiner angespannten Hand. Dann begegne ich ihm oder ihr befreiter.
Wie heute als Kirche das Zeugnis von einem versöhnten und friedfertigen Leben geben? Wie unter uns „Brüderlichkeit“ und „Schwesterlichkeit“ leben? Vier Tipps aus dem heutigen Evangelium: In Kontakt treten. Hören und Zuhören. Die richtige Reihenfolge einhalten. Und füreinander beten.
Jakob Bürgler
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Datum: 05.09.2026
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