Nicht untergehen

"Walk on Water". "Do it like Jesus". Wie Petrus auf dem Wasser gehen. Was dabei wichtig ist... Gedanken dazu von Propst Jakob Bürgler findest du hier.

19. Sonntag im Jahreskreis

9. August 2026

Seit einigen Jahren bieten wir als Kirche ein kleines Experiment an. Vor allem für junge Leute, die vielleicht mit dem Glauben nicht viel am Hut haben. Die Aktion wird von der Initiative „Denk dich neu“ angeboten. Sie heißt: „Walk on Water Challenge“. Auf Deutsch sinngemäß übersetzt: „Lass dich herausfordern und geh‘ auf Wasser.“

Auf einem See sind Matten ausgelegt. Und auf diesen Matten geht oder läuft man entlang. Die Frage ist: Wer kommt weiter und stylisher über den Wasser Parcours? Und damit es klar wird, woher die Idee genommen ist: „Do ist like Jesus“. „Mach‘ es wie Jesus.“

Wie heute im Evangelium. Aber während die Wasserwanderung der jungen Leute ganz sicher ein spaßiges Event ist, war es am See zur Zeit Jesu wohl nicht so lustig. Jesus kommt über den See zu den Jüngern. Sie erschrecken zutiefst. Sie meinen, es geistert. Und Petrus will einen Beweis haben. „Herr, wenn du es bist, so befiel, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!“ (Mt 14,28) Also: „Walk on Water Challenge“ ganz jesuanisch. Und Jesus sagt: „Komm!“ (Mt 24,29)

Zuerst ist ja alles noch recht eindrucksvoll. Das Wasser trägt. Petrus geht tatsächlich Jesus entgegen. Aber das ändert sich bald. Die Angst packt das Herz von Petrus, er beginnt zu sinken und kann nur mehr um Hilfe schreien. Da ist der Spaß vorbei. Die Füße und Beine des Petrus schaffen es nicht.

Hat Jesus den Petrus auf die Probe gestellt? Hat er ihn getestet? Hat er ihn „auflaufen“ lassen? Oder hat er ihm zeigen wollen, dass er – bei seinem ganzen Selbstvertrauen und wenn er auch noch so klug ist oder tut – doch etwas wackelig auf den Beinen steht und Angst bekommt, wenn der Boden zu wackeln beginnt?

Ich glaube nicht, dass Jesus jemanden auf die Probe stellt. Auch nicht den Petrus. Aber ich glaube, dass Jesus dem Petrus und den Jüngern im Boot etwas zeigen will: Die Kostbarkeit des Vertrauens. Die Kraft des Vertrauens. Die Tragekraft des Vertrauens. Das Wasser kann gar nicht tragen. Ohne Matten geht da nichts.

Tragen kann nur das Vertrauen, dass einer da ist, der trotz allem, was wackelt und unsicher wird, trägt. Und dieses Vertrauen hat Petrus noch oft in seinem Leben gebraucht.

Petrus ist – in diesem Sinn – unser Bruder, und Jesus unser Lehrmeister. Wer Jesus nachgehen will, der als Christin oder Christ leben will, wer den Glauben in der Mitte seines Herzens verankern will, der wird das nicht können ohne Vertrauen.

Wo beginnt die Krise bei Petrus? Sie beginnt dort, wo er seine Augen, seinen Blick verändert. Ich kann mir gut vorstellen, dass Petrus seine Augen fest auf Jesus gerichtet hat. Auf ihn hin will er ja im turbulenten See gehen. Der Blick in die Augen Jesu trägt und hält ihn. Aber sobald er seinen Blick auf den heftigen Wind und den unruhigen See mit seinen heftigen Wellen richtet, ist es aus. „Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst.“ (Mt 14,30) Und er beginnt unterzugehen.

Es ist wie beim Bergsteigen in ausgesetztem Gelände: Solange ich auf den Felsen vor mir oder nach oben schaue, fühle ich mich sicher. Wenn ich nach unten oder vielleicht sogar in den Abgrund schaue, bekomme ich Angst und die Knie beginnen zu zittern.

Also: Den Blick des Herzens fest auf Jesus richten. Und dann staunen, was Jesus tut. Er streckt sofort seine Hand aus und ergreift den Petrus. Das ist Vertrauen. Vertrauen lernen. Den Blick halten und die Hand Jesu ergreifen. Darauf vertrauen, dass er mich nicht untergehen lässt. Auch wenn rundherum alles in Aufruhr ist.

Der christliche Glaube besteht im Kern nicht aus einer Reihe von Geboten oder aus einer ethischen Lehre, sondern aus einer Person. Jesus Christus. Und immer wieder neu gilt es, das Vertrauen des Herzens zu vertiefen, es wachsen zu lassen, es zu erneuern. Das geht nicht ein für alle Mal. Das will geübt und eingeübt werden. Bitten wir um die Kraft des Herzens dazu!

Jakob Bürgler

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Datum: 09.08.2026

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