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13. Sonntag im Jahreskreis | 28. Juni 2026
Wenn ich für die Predigt einen Text aussuchen könnte: Das heutige Evangelium würde ich nicht nehmen. Da steckt eine „Bombe“ nach der anderen drin. „Bombe“ im Sinne von Irritation, Herausforderung, schwer zu verstehen. Immer wieder die Aussage: „Ist meiner nicht wert.“ Und weiter: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt.“ Und: „Wer gewinnen will und findet, der verliert“. Das klingt nicht ermutigend. Nicht einladend. Nicht lebensfördernd.
Aber irgendwas in mir sagt mir: So kann das nicht gemeint sein. Jesus Christus war ja kein Spielverderber, keiner, der das Leben madig gemacht hat, keiner, der nur Sack und Asche gepredigt hat. Jesus Christus war einer, der Mut gemacht und nicht Mut genommen hat. Jesus Christus war einer, der das Kreuz gewandelt hat – in Sieg und in Leben. Jesus Christus war einer, der jedem Menschen so begegnet ist, dass er wieder aufleben konnte. Also: Wie umgehen mit dem heutigen Evangelium? Ich möchte euch heute ein Bild mitgeben, ein Symbol, und mit dem Symbol drei Gedanken verbinden, die sich dem Evangelium annähern.
Ein vertikaler Balken.
„Ist meiner nicht wert.“ (Mt 10,37.38) Das klingt schlimm. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich. „Ist meiner nicht wert.“ Eigentlich ist das eine Zumutung. Unsere ganz nahen, innersten und engsten Beziehungen werden relativiert.
Wenn man Leute fragt, was sie sich ganz besonders wünschen oder was ihnen sehr am Herzen liegt, dann sagen fast alle: Die Familie, die eigenen Kinder, das gute Miteinander zuhause, die Geborgenheit. Und das ist auch gut so! Denn wir wissen alle: Wenn im engsten Lebenskreis Brüche und Wunden sind, dann bekommt das eigene Leben Risse und Lasten, die schwer zu tragen sind.
Und doch: Wer die engsten Beziehungen zum Ein und Alles im Leben macht, zur einzigen Glückseligkeit, zum alleinigen Maßstab, ob das Leben gut ist oder nicht, der vergöttlicht diese Beziehungen – und überfordert sie. Der macht sich abhängig von ihnen und kann nur enttäuscht werden.
Deshalb ist es wichtig, diese engsten Beziehungen im guten Sinn zu „relativieren“. Sie in ihrer Bedeutung richtig einzuschätzen. Das absolute Glück, das wir im Innersten ersehnen, können diese Beziehungen uns nicht geben. Deshalb: Ein vertikaler Balken. Sich in Gott verankern.
Ein horizontaler Balken.
„Ist meiner nicht wert.“ Schon wieder. „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.“ (Mt 10,38) Das Kreuz auf sich nehmen: Da geht es nicht nur darum, das anzunehmen und zu tragen, was im Leben schwer ist und belastet und herausfordert. Das gibt es in jedem Leben. Und es genügt auch nicht, einfach alles passiv hinzunehmen, was ich nicht ändern kann.
Das Kreuz auf sich nehmen: Da geht es um ein aktives Element. Wer Jesus Christus nachfolgt, der weicht dem, was das Leben für andere schwer und belastend macht, nicht aus – und macht sich vielleicht ein feines Leben. Nein, er geht hinein. Er nähert sich an. Er bietet sich an. Er trägt mit.
Christ-Sein geht nur, wenn ich bereit bin, mich zu involvieren, mich belasten zu lassen, mein Herzblut hineinzulegen, die Wunden der Menschen mitzutragen. Eine christliche Gemeinschaft ist immer geprägt vom „Für andere“, von Liebe und Sorge, von einem Füreinander. Und deshalb: Ein horizontaler Balken. Die Arme ausstrecken.
Die beiden Balken zusammen, der vertikale und der horizontale: Sie bilden ein Kreuz. Und das ist das Symbol, das ich euch mitgebe. Der vertikale Balken – sich in Gott verankern. Der horizontale Balken – einander stützen. Die beiden Balken ergeben ein Kreuz. Ein Plus. Einen Gewinn. „Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Mt 10,39) In der früheren Übersetzung war von „gewinnen“ die Rede. Wer verliert, findet und gewinnt. „Kein Jesus-Wort ist so oft überliefert wie dieses: sechsmal – ein Schlüsselwort!“[1]
Also: Wie gewinne ich das Leben? Wie finde ich die Lebensfreude, den Lebensmut? Wie wächst ein Plus in meinem Leben? Die Großen dieser Welt zeigen uns, wie es nicht geht. So viel Hass, Unzufriedenheit, Neid, Selbstsucht, Unfrieden – man spürt richtig, wie diese Leute den Schatz des Lebens verlieren. „Nur der wird das Leben finden, der es nicht mit aller Macht haben und festhalten will, sondern es lassen kann. Nur der wird sich selbst finden, der nicht sich selbst sucht, sondern sich selbst vergessen kann. … Man gewinnt nur das, was man verschenkt.“[2]
Lassen wir vor unser Leben ein Plus zeichnen, ein Kreuz: Durch die Verankerung in Gott. Durch das Mittragen des Schweren. Und wir werden gewinnen, indem wir uns verschenken.
Jakob Bürgler
[1] Franz Kamphaus, Tastender Glaube, Patmos 128.
[2] Ebd. 128.
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Datum: 28.06.2026
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