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7. Sonntag der Osterzeit
17. Mai 2026
Der Evangelist Johannes überliefert am Ende des Letzten Abendmahls eine lange Rede Jesu, die sogenannte Abschiedsrede. Und diese Rede schließt mit einem Gebet, dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Es ist das längste Gebet Jesu in der Heiligen Schrift. Und das heutige Evangelium ist aus diesem Gebet genommen. Jesus betet. Er redet mit seinem Vater im Himmel. Er steht am Ende seines irdischen Weges. Teilweise schaut er zurück auf seinen Weg, teilweise schaut er voraus auf seine Vollendung und auf das, was er für die Seinen erbittet.
Ich möchte heute drei Gedanken aus diesem Gebet vertiefen und auf unser Leben anwenden. Das ewige Leben. Das Wort bewahren. Für die Menschen bitten.
Das ewige Leben.
„Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzig wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.“ (Joh 17,3) Es gibt in der Bibel ganz unterschiedliche Bilder und Vorstellungen für das ewige Leben: Ein Festmahl mit den besten Speisen und hervorragenden Weinen; eine Sammlung unzähliger Menschen zu einer großen Gemeinschaft; ein bleibendes Daheim für immer; getröstet und ganz erfüllt werden durch die Zärtlichkeit Gottes.
Hier im Abschiedsgebet Jesu ist es eine andere Vorstellung. Ewiges Leben bedeutet: Gott erkennen und Jesus, seinen lieben Sohn. Das klingt ein wenig trocken. Kopflastig. Nüchtern. Keine Fete, keine schöne Wohnung, sondern Erkennen.
Vielleicht kann uns da eine kleine Erfahrung helfen. Wenn uns ein Licht aufgeht, wenn wir auf einmal etwas verstehen, wenn wir plötzlich einen Sachverhalt begreifen, wenn wir in einer Sache eine innere Gewissheit finden, dann wird uns etwas klar. Dann erkennen wir etwas. Dann vergehen Unsicherheit und Zweifel. Ja, so ist es. Und jetzt auf das ewige Leben angewandt: Gott macht möglich, dass alles klar wird, dass wir die Größe Gottes und die Herrlichkeit Jesu ganz verstehen. Das ist ewiges Leben. Das ist ein großes Glück.
In den letzten Monaten habe ich öfters erlebt, dass junge Leute zu mir gesagt haben: Ich durfte etwas vom Glauben entdecken und verstehen. Ich konnte in mir erkennen, dass das wahr ist, und wie wichtig der Glaube an Jesus für mich ist. Wunderbar: Ewiges Leben.
Das Wort bewahren.
„Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.“ (Joh 17,6) Das Wort von Jesus bewahren. Wie kann man das verstehen? Ein Wort kann man bewahren, indem man es sich merkt, gut einprägt, auswendig lernt. Oder: Indem man es in-wenig lernt. Im Englischen heißt auswendig lernen „to learn by heart“ – also: mit dem Herzen, im Herzen lernen. Ganz innig. Die Freunde Jesu tragen das Wort Jesu ganz innen, ganz in ihrem Herzen. Und so bewahren sie es.
Und dazu kommt: Das Wort bewahren bedeutet auch Jesus bewahren. Denn Jesus sagt von sich selbst, dass er das Wort des Vaters ist. Es gibt einen schönen Ausspruch von Beda Venerabilis: „‘Sie haben dein Wort bewahrt.‘ ‚Wort des Vaters‘ nennt er sich selbst… als wollte er sagen: Sie haben mich in ihr Gedächtnis aufgenommen, um mich niemals zu vergessen.“[1]
Jesus im Herzen bewahren. Ihn nicht verlieren in den vielen Ablenkungen und Wirrnissen des Lebens. Jesus und sein Wort in der Mitte des Herzens tragen. Für uns Christinnen und Christen ist es wichtig, das Wort Jesu zu lesen, darüber nachzudenken, es mit dem eigenen Leben zu verbinden, es zu „kauen“ wie ein Brot, das gute Nahrung ist.
Und der dritte Gedanke: Für die Menschen bitten.
„Für sie bitte ich…“ (Joh 17,9), sagt Jesus im heutigen Evangelium. Jesus, der Fürbitter. Jesus betet für uns. Er hat damals für seine Freunde gebetet, und er betet jetzt für uns. Das ist sein Wirken in der Ewigkeit: Dass der für uns betet.
In der Lesung haben wir davon gehört, dass die Jünger und Jüngerinnen Jesu im Obergemach versammelt sind. Sie verharren dort im Gebet. Um den Heiligen Geist. Und dieses Gebet verbindet sich mit dem Gebet Jesu aus dem Jenseits. Unser Gebet wird durch das Gebet Jesu getragen und gestärkt. Das Gebet ist also keine „Einbahnstraße“ von uns zu Gott. Nein, Jesus betet auch auf uns zu.
Roger Schutz, der Gründer der Gemeinschaft von Taizé, hat geschrieben: „Christus Jesus, dir nachfolgen heißt, diese Wirklichkeit des Evangeliums entdecken: du betest in jedem von uns. … Unser Gebet mag noch so arm sein, doch du betest selbst noch im Schweigen unserer Herzen.“
Jakob Bürgler
[1] Beda der Ehrwürdige, hier nach: Thomas von Aquin, Catena Aurea. Kommentar zu den Evangelien im Jahreskreis. EOS Verlag 2012, 193.
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Datum: 17.05.2026
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