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4. Fastensonntag
15. März 2026
Das heutige Evangelium wäre an sich viel länger. Von diesem Mann, der blind geboren wurde, wird die ganze Geschichte erzählt. Wie Jesus ihn sieht. Wie die Jünger Jesus zu fragen beginnen, wer denn daran schuld sei. Wie Jesus die Frage nach der Schuld sehr deutlich zurückweist. Und wie er seine Spucke mit der Erde vermischt und sie dem Blinden auf die Augen streicht. Wie der Mann dann auf den Wunsch Jesu hin zu Teich Schilóach geht und sich wäscht – und sehend wird.
Wie die Nachbarn unsicher sind, ob er wirklich der Blinde war und wie sie sich nicht festlegen wollen. Wie dann der Mann zu den Pharisäern gebracht wird, für die das Ergebnis schon feststeht: Weil jener, der geheilt hat, dies am Sabbat getan hat, kann er nicht von Gott kommen. Gott muss sich an die Gesetze halten! Und wie dann alles zurück zu den Eltern des Blindgeborenen geht und diese befragt werden. Auch sie wollen sich nicht festlegen: Immerhin droht ihnen der Ausschluss aus der Gemeinschaft, wenn sie Jesus als Retter bekennen.
Und wie dann alles wieder zurück zum Blindgeborenen geht und dieser verhört wird. Und wie er immer wieder die gleiche Geschichte erzählt: Was dieser Fremde gesagt und getan hat und wie er dann sehend geworden ist. Und wie langsam, Schritt für Schritt, für ihn klar wird: Der, der mich geheilt hat, ist der Menschensohn, der Retter, der Heiland. Und wie er sich dann vor ihm niederwirft. Eine wirklich lange und spannende Geschichte. Einen Teil davon haben wir als Evangelium gehört.
Dazu nun drei kleine Gedanken.
Die Frage nach der Schuld.
Wer ist schuld? Sofort bricht diese Frage auf. Wer hat gesündigt? Natürlich ist es wichtig, nach Ursachen zu fragen, auch nach der Verantwortung, nach dem, was zu einem Unheil geführt hat. Aber: Die Frage nach der Schuld führt oft genug in die Enge. Sie bringt nicht selten niemanden weiter. Sie verhärtet die Situation. Sie sucht verkrampft nach Sündenböcken. Sie fragt nicht nach dem, was aufbaut und in die Zukunft führt. Sie beklemmt und fesselt. Und ganz oft gibt es auf die Frage nach der Schuld auch keine Antwort.
Und was tut Jesus? Er weitet den Blick. Er sieht die Not und das Elend. Aber er sieht auch in die Zukunft. Er richtet sich aus auf das, was Gott in dieser Situation tun kann. „Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ (vgl. Joh 9,3) Was will uns Gott sagen? Wohin will uns Gott führen? Was hat Gott mit dieser Welt und mit uns vor? Was dürfen und was sollen wir lernen?
Die Frage, die weiterführt, lautet nicht „warum?“, sondern „wozu?“. Den Blick in die Zukunft richten, auf das, was wachsen und werden will. Das könnte eine Hilfe sein, wenn wir die unselige und schwierige Lage bedenken, in der unsere Welt derzeit steckt. Und vielleicht auch in mancher Situation, in der wir selber stecken. Wohin will uns Gott führen? Was will wachsen und werden?
Die Rechthaberei.
Eines unterscheidet den Blindgeborenen sehr von denen, die für die Religion und die Wahrheit zuständig sind. Er weiß nichts, und er weiß auch, dass er nichts weiß. Die anderen: Sie wissen nichts, aber sie meinen, sie wissen alles. Das Gesetz steht über allem. Das Gesetz gibt eindeutige Antworten. Dieser Heiler kann nicht von Gott kommen. Er hat den Sabbat missachtet. Dafür gibt es eine ganze Bibliothek von Schriften und Traditionen, die das belegen und unverrückbar machen.
Ich finde sehr schön, was Erzbischof Grünwidl vor kurzem gesagt hat. Dass es im Leben der Kirche Regeln, Gebote und Vorschriften braucht, sei unbestritten, doch sie dürften nicht Selbstzweck werden und sie dienten nicht einer bloßen Reglementierung, sondern dem „Heil der Seelen". Das bedeute: „Sie sollen helfen, dass Menschen Gott begegnen können und tiefer in ein Leben nach dem Evangelium geführt werden."
Und weiter: „Unsere Kirche wird jesuanischer und evangeliumsgemäßer, wenn wir synodal - gemeinsam auf dem Weg - sind, mehr auf die Stimmen der Frauen hören und sie in Entscheidungsprozesse einbeziehen." Freilich müssten dafür kirchliche Vorschriften und jahrhundertealte Traditionen geändert werden. Aber der Blick auf Jesus, der sich - wenn notwendig - über jüdische Gebote und religiöse Traditionen hinweggesetzt habe, um den Willen Gottes erfüllen zu können, … und die feste Überzeugung „Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht nicht aufhalten" machten ihm Hoffnung.
Der wachsende Glaube.
Die Heilung führt den blinden Mann langsam und Schritt für Schritt hin zum Glauben. Zuerst weiß er nicht einmal, wer ihn geheilt hat. Keine Ahnung, von wem all das kommt, was gut ist und befreiend. Erst nach und nach erschließt sich ihm, dass dieser fremde Heiler der Herr ist.
Glauben lernen bedeutet, langsam zu wachsen im inneren Erkennen. Schritt für Schritt. Ein Leben lang. Es gibt keinen Schnellsiedekurs des Glaubens. Es gibt keine Methode, die uns den Weg des Wachsens und Reifens erspart. Dran bleiben ist wichtig. Wer das Licht des Glaubens entdeckt, der merkt, dass Gott am Werk ist.
Jakob Bürgler
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Datum: 15.03.2026
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