Was die Verklärung Jesu für uns bedeuten kann...

Christsein oder Christwerden bedeutet auch Mühe. Es schenkt einen Ausblick in Situationen der Belastung und Not. Und es gründet auf einer innerlichen Erfahrung. Gedanken von Propst Jakob Bürgler dazu findest du hier.

2. Fastensonntag

1. März 2026

Am Berg Tabor geschieht etwas unglaublich Schönes. Vollkommen unerwartet. Jesus im strahlenden Licht. Wir kennen diese Geschichte. Wer schon einmal im Heiligen Land auf diesem Berg Tabor gewesen ist, der wird das nie vergessen. Ein prägnanter Hügel mitten in der Landschaft. Ein Ort, wie gemacht für dieses Ereignis. Und ganz oben eine Kirche, die die ganze Erhabenheit der Verklärung Jesu abbildet. Die Verklärung Jesu. Und was können wir mitnehmen? Was kann uns diese Erfahrung am Berg heute sagen? Drei Worte: Mühe. Ausblick. Innerlichkeit.

Mühe

Jesus nimmt, so erzählt der Evangelist Matthäus, drei seiner Jünger mit auf den Berg. Petrus, Jakobus und Johannes. Sozusagen die „Speerspitze“ seiner Jünger. Er führt sie auf den Berg, so heißt es. Jesus als Bergführer. Was ist damit gemeint? Da geht es nicht darum, dass Jesus den Jüngern den Weg auf den Berg zeigt. Jesus führt sie auf einen inneren Weg. Wir wissen, dass das Bergsteigen nicht ohne Mühe geht. Und ein innerer Weg, ein inneres Wachsen im Leben, kostet auch Kraft, manchmal viel Kraft.

Und nach der Verklärung, nach dieser umwerfend schönen Stunde, müssen die Jünger und Jesus ja wieder hinunter ins Tal. Hinunter geht es leichter – beim Bergsteigen. Aber innerlich, innerlich ist es manchmal auch sehr mühsam, wenn man wieder in den normalen Alltag wechselt. Das wissen wir vom Urlaub und der Zeit danach.

„Die Gipfelerfahrung hat ihren Aufstieg und ihren Abstieg. Der Aufstieg in das Gottesgeheimnis erfordert Geduld und Ausdauer. Man kommt ins Schwitzen. Aufstieg und Abstieg sind notwendig, damit das Erfahrene haften bleibt. Wer Höhepunkte erlebt, muss auch wieder herunterkommen, darf den Tiefpunkten des alltäglichen Lebens nicht ausweichen. Doch die strahlende Gotteserscheinung, die ‚lichten Momente‘ werden ihren Glanz nie völlig verlieren.“[1]

Wer Christ oder Christin sein will, braucht Geduld. Christ-Werden bedeutet auch Mühe und Bemühen.

Ausblick

Es ist wichtig, auf das zu schauen und zu achten, was rund um die Erfahrung am Berg Tabor passiert. Jesus beginnt, nach einer gewissen Zeit der Predigt, auf das hinzuweisen, was auf ihn zukommen wird. Er macht klar, dass Leiden, Schmerzen, Verleugnung und Tod auf ihn warten. Und dass er am dritten Tag wieder auferstehen wird.

Und mit dem können die Jünger gar nicht umgehen. So stellen sie sich einen Meister und Herrn, den erwarteten Messias, nicht vor. Er soll siegen, nicht verlieren. Er soll seine Macht zeigen, nicht seine Ohnmacht. Er soll dem Elend und dem Leiden der Menschen ein Ende bereiten, nicht selbst draufgehen.

Und mitten hinein in dieses innere Murren und Ringen der Jünger kommt jetzt die Erfahrung am Berg Tabor. Dieses Ereignis des umwerfenden Lichtes. Alles ist in ein strahlendes, göttliches Licht getaucht. Mitten hinein in die Mühe des Lebens zeigt Jesus, dass das Ziel die Auferstehung ist. Sein Sieg – aber anders als gedacht. Die Jünger bekommen eine Vision von dem, was sie mit Jesus erleben werden.

Irgendwie scheint mir das sehr aktuell. Wir sind derzeit sehr bedrückt und belastet, sorgenvoll und ängstlich, wenn wir auf das schauen, was in der Welt geschieht. Schon wieder ein neuer Krieg. Wie soll das alles weitergehen? Wird die Erde durch menschliche Gewalt für immer zerstört?

Das Christentum schenkt uns eine Vision. Trotz allem, gegen alle Enttäuschung, mitten in alle Bedrängnis hinein glauben wir, dass Gott alles zum Guten wenden kann. Dass seine göttliche Strahlkraft siegt. Vielleicht nicht so, wie wir es uns denken. Aber er wird der Sieger sein.

Innerlichkeit

Damit wir aber diese zähe Hoffnung, diese Trotzdem-Hoffnung innerlich erfahren können, braucht es eine innerliche Erfahrung, eine „Erleuchtung“. So wie Christsein nicht ohne Jesus Christus geht, so geht ein christliches Leben auch nicht ohne dass wir Jesus „erfahren“ und „erlebt“ haben.

Wir wissen das aus unserer menschlichen Erfahrung. „Man kann lange mit einem Menschen zusammenleben, ohne zu wissen, wer er eigentlich ist. Dann kommt ein Augenblick, da fällt es einem wie Schuppen von den Augen und man blickt durch. Die Jünger sind schon eine ganze Zeit mit Jesus zusammen und erleben, wie er predigt und Menschen an Leib und Seele heilt. Sie fragen sich immer wieder: Wer ist der? Was sie an ihm sehen, ist nicht alles. In einer bestimmten Situation auf dem Gipfel eines ‚hohen Berges‘ gehen ihnen die Augen auf. Nie haben sie Jesus in dieser Klarheit gesehen: Er ist der Sohn Gottes.“[2]

In der Unipfarre erlebe ich das immer wieder. Es gibt junge Leute, die von Kind auf ein Vertrauen zu Jesus Christus leben. Aber es gibt – völlig überraschend und erstaunlich – Leute, die auf einmal eine innere Erfahrung machen, die ihnen zeigt: Das ist es. Das ist der Weg. Ich will Christ oder Christin werden. Es ist gut, darum zu beten, dass jedem und jeder von uns ein solcher Augenblick geschenkt ist. Denn christliches Leben wird in Zukunft so sein, dass es auf Erfahrung und Erleben gründet.

Jakob Bürgler

[1] Franz Kamphaus, Tastender Glaube. Patmos 2017, 49.

[2] Ebd. 47.

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Datum: 01.03.2026

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