Ihr seid Salz. Ihr seid Licht.

Diejenigen, die an Jesus glauben, sind Salz und Licht für die Welt. Was steckt hinter diesen Bildern? Welche Botschaft gilt jedem und jeder von uns? Gedanken von Propst Jakob Bürgler findest du hier.

5. Sonntag im Jahreskreis

8. Februar 2026

Es war vor einigen Jahren. Beim Bibeltag unserer Diözese war Wilhelm Bruners als Referent eingeladen. Er ist Priester und Bibelwissenschaftler aus Aachen, und hat fast zwanzig Jahre lang im Heiligen Land gelebt. Wilhelm Bruners ist vor allem bekannt geworden mit einem Buch, in dem er das Menschsein Jesu in den Mittelpunkt stellt. Er geht der Frage nach, wie Jesus als Kind einer menschlichen Familie und als Teil einer menschlichen Gesellschaft seinen Glauben „entdeckt“ und gelernt hat, jenen Glauben, den er dann verkündet hat. Sein Buch trägt den Titel: „Wie Jesus glauben lernte.“ Wilhelm Bruners geht davon aus, dass Jesus, der in sich Gott und Mensch verbunden hat, nicht einfach alles schon wusste, sondern – weil er ganz Mensch war – eben auch ein Lernender war.

Wie hat Jesus den Glauben gelernt? Jesus war Kind einer jüdischen Familie. Und so hat er drei Mal am Tag das „Sch’ma Israel“ gebetet: „Höre Israel, unser Gott JHWH ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Jesus hat gesehen, wie im alltäglichen Leben Segensgebete gesprochen wurden: Bei Mahlzeiten, bei der Arbeit, in Situationen der Freude und in tiefem Leid. Er hat den wöchentlichen Sabbat in der Synagoge mitgefeiert. Und am Abend davor hat er gesehen, wie seine Mutter daheim die Sabbatkerzen angezündet hat. Er hat die großen Feste des jüdischen Volkes mitgefeiert. Dazu kamen die religiösen Figuren, die ihn mitgeprägt haben: Rabbiner, Schriftgelehrte, prophetische Gestalten. Nach und nach ist so jener Horizont gewachsen, in dem Jesus die frohe Botschaft des Evangeliums verkünden konnte. Es ist gut, sich in diese Seite der Person Jesu einmal ganz hineinzudenken.

Warum sage ich das? Weil das Evangelium vom heutigen Sonntag für mich ein Text ist, der in Jesus wohl „gewachsen“ ist. Er hat die Schönheit von Galiläa gekannt, dieses wunderbare und fruchtbare Land mit Bergen und dem See. Der Alltag und die Natur haben ihm jene Bilder geschenkt, die damals gut verständlich waren und bis heute verständlich sind, jene Vergleiche, die seine frohe Botschaft erklären sollten. Unter anderem: Salz und Licht.

Jesus kannte das Leben der Fischer, ihre Mühe und harte Arbeit, ihre Erfolge und ihren Frust, wenn sie nichts gefangen hatten. Er kannte die Freude über einen reichen Fang, und er wusste, dass Fische nur frisch bleiben konnten, wenn sie in Salz gelegt wurden. Gefriertruhen gab es ja nicht. Das Salz hat verhindert, dass das Essen verdarb. Und Jesus wusste auch, dass ein gutes Essen Würze braucht, dass ohne Salz alles viel fader und geschmackloser schmeckt. Was passiert, wenn Salz keine Kraft mehr hat? Dann verdirbt das Leben und verliert seine Würze.

Und Jesus kannte das Licht, das von den Städten ausging, die am Berg angesiedelt waren. Ihr Licht gab Orientierung in einer Zeit, in der nicht alle Wege von elektrischen Lampen erhellt wurden. Mit dem Licht der Städte konnte man den Weg finden. Und er hat gesehen, wie Maria, seine Mutter, daheim das Licht auf den Leuchter gegeben hat und wie ein kleines Licht einen großen, dunklen Raum hell machen konnte. Unter einem Topf geht dem Licht der Sauerstoff aus und dann geht das Licht aus.

Und jetzt: Die Botschaft Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger – und an uns. Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Jesus sagt nicht: Ihr sollt Salz sein. Ihr sollt Licht sein. Bemüht euch! Strengt euch an! Reißt euch zusammen! Leistet noch mehr! Nein, er sagt: Ihr seid. Jesus verwendet keinen moralischen Imperativ. Er spricht im Indikativ. Ihr seid Salz. Ihr seid Licht. Wir sind es. Und das nicht deswegen, weil wir so gut und besonders wären, sondern weil Gott dieses Salz und dieses Licht in uns hineingelegt hat. Als Geschenk sozusagen. Es ist gut, sich das immer wieder einmal in Erinnerung zu rufen: Wir sind Salz und Licht, weil wir von Gott beschenkte Menschen sind. Es ist wie bei Sonne und Mond: Der Mond leuchtet hell in der Nacht. Aber er leuchtet nicht aus sich. Er leuchtet, weil er sein Licht von der Sonne empfängt. So sollen wir vor den Menschen leuchten! Wir sind Zeuginnen und Zeugen des Lichtes, nicht Lichtquelle.

Und dieses Leuchten hat ein Ziel: Nicht die Ehre und die Bewunderung der eigenen Person, sondern die Ehre Gottes und das Staunen über ihn! Damit die Menschen unseren Vater im Himmel preisen. Es geht vor allem um die Anbetung Gottes.

Aber: Es braucht auch unser Bemühen. „Eins ist beiden Bildworten als Eigenschaft gemeinsam: Selbstgenügsamkeit ist ihnen fremd. Salz will ausgestreut und vermischt werden, Licht will sich im Leuchten verzehren. Sowohl das Licht wie das Salz haben ihre Bedeutung darin, dass sie wirken, indem sie sich verschwenden. Die Kirche ist dann am meisten sie selbst, wenn sie sich selbst nicht so wichtig nimmt und sich für das Ganze einsetzt. … Wir brauchen der Erde nicht Erde, der Welt nicht Welt zu geben. Wir schulden ihr das, was sie aus sich heraus nicht hat und von niemandem sonst bekommt: das Salz, das Licht des Evangeliums. Wenn wir ihr das versagen, dann braucht es uns nicht.“[1]

Ich bin dankbar, dass Jesus unser Bruder ist. Dass er uns Zuversicht schenkt und Mut! Und dass er so lebensnah und aufmerksam gelernt hat – bei den Menschen seiner Zeit, im Besonderen bei Josef und bei Maria, seiner Mutter.

Jakob Bürgler

[1] Franz Kamphaus, Tastender Glaube. Patmos 2017, 103.

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Datum: 08.02.2026

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