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3. Sonntag im Jahreskreis
25. Jänner 2026
Gestern haben unzählige Menschen nach Kitzbühel geschaut. Zum Hahnenkammrennen. Diese spektakuläre Abfahrt wollten sich viele nicht entgehen lassen. Nicht so viele, aber auch nicht wenige haben nach Wien geschaut. Dort ist der neue Erzbischof geweiht und in sein Amt eingeführt worden. Und wie bei jedem Neubeginn wurde ganz genau beobachtet: Wie tritt dieser Mann auf? Welche Zeichen setzt er? Welche Botschaft steht im Mittelpunkt? Was tut er als erstes?
Mit einer ähnlichen Haltung könnte man auf das heute verkündete Evangelium schauen. Denn Jesus beginnt darin seine öffentliche Tätigkeit. Er setzt seine ersten Schritte. Er macht deutlich, was ihm am Herzen liegt, was ihm ganz wichtig ist. Er setzt Wegmarkierungen und Schwerpunkte. Und so lade ich ein, bei Jesus in die Schule zu gehen. Von ihm zu lernen. Seine Wegmarkierungen zu den unsrigen zu machen. Drei Begriffe dazu: Peripherie. Dunkel. Umkehr.
Peripherie
Jesus, so heißt es, zieht um. Er ist in Nazaret aufgewachsen, bei seiner Familie. Aber jetzt wählt er ein neues Zuhause, einen neuen Lebensmittelpunkt: Kafarnaum, im Hebräischen „Kfar Naḥūm“, das Dorf des Nahum. Ein Dorf. Ein Kaf. Sicher: Kafarnaum war auch ein Verkehrsknotenpunkt, eine Handelsstadt. Aber sie liegt nicht im Zentrum, nicht dort, wo alle hinwollen. Kafarnaum ist nicht Jerusalem. Jesus wählt als seinen Ort die Peripherie.
Wir meinen oft, dass jede Veränderung von der Mitte her geschehen muss, vom Zentrum, oder vom „Kopf“ her. Wer etwas verändern will, muss im Zentrum der Macht beginnen oder oben, in den höchsten Rängen: Dann funktioniert‘s. Das kann stimmen. Aber: Es kann auch nicht stimmen.
Jesus wählt einen anderen Weg. Er beginnt in der Peripherie. Er drängt sich nicht in den Kreis derer, die die Macht haben. Jesus sucht zuerst einen fruchtbaren Boden. Er sucht eine Gegend, in der die Menschen formbar sind, nicht so festgefahren, vielleicht auch einfacher. Ein Umfeld, in dem er nachhaltig und spürbar wirken kann. Und von dort aus entwickelt sich eine Dynamik, die mit der Zeit auch das Zentrum erreicht. Wir lernen von Jesus Christus: Die Peripherie nicht außer Acht lassen. Ihr Potential erkennen. Das Kleine schätzen lernen.
Dunkel
Dieses Dorf des Nahum liegt in einer Gegend, die nicht sehr geschätzt ist. „Die Region oben im Norden, weit weg dahinten am Meer, ist eine gottverlassene Gegend. Juden, die dort wohnen, sind in Gefahr, ihre Identität zu verlieren. Sie gelten als Leute vom Ende der Welt, sind abgehängt und abgeschrieben. … Gott weicht nicht zurück vor der Finsternis, er geht mitten in sie hinein.“[1]
Was das bedeutet, hat uns Papst Franziskus eindrücklich gezeigt: Die Kirche hat ihren Platz nicht dort, wo alles blitzblank sauber ist, nicht in einer Idealwelt, in der alles bis ins letzte Detail geregelt ist. Nein, Kirche ist vor allem dort gefragt und auch lebendig, wo es um Herausforderungen geht, um ein Ringen und Suchen, um Mühe, und oft genug auch um Ohnmacht. Wer sich in die heile und schöne Sakristei zurückzieht, wird irgendwann steril und leblos.
Kirche muss hinein in die wirre und komplexe Welt, in die unterschiedlichsten Anschauungen, in das Durcheinander von Meinungen, in den Widerstreit der Kräfte. Dort gilt es, ein Licht und etwas Klarheit zu bringen. Also: Sich nicht schonen. Die Herausforderungen des Glaubens annehmen. Licht und Ermutigung schenken.
Umkehr
Wir hören im heutigen Evangelium auch die Grundbotschaft Jesu, das, was er inhaltlich in die Mitte stellt. „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ (Mt 4,17) Das Ziel ist ein ganz positives: Das Himmelreich ist nahe. Das Leben blüht auf. Die Freude wird lebendig. Der Sinn des Lebens kommt zum Durchbruch. Aber es heißt auch: Kehrt um!
Dass das Umkehren sehr aktuell ist, kann man täglich in den Nachrichten verfolgen, in dem, was die Welt durcheinanderbeutelt, in den vielen Krisen. So kann es nicht weitergehen. Ohne Umkehr wird es nicht gehen. Das wird immer mehr klar.
Für Jesus ist das Prinzip der Umkehr eine Erneuerung der Beziehung, eine Verlebendigung der Beziehung zu Gott, eine Neuentdeckung Gottes, ein stärkeres Augenmerk für die Frage nach Gott im Leben. Das soll stärken, Potentiale und Kräfte freisetzen, das Leben besser gelingen lassen. Deshalb also: Kehrt um!
Vor wenigen Tagen wurde gefordert, ein verpflichtendes Schulfach „Psychische Gesundheit“ einzuführen. Weil die jungen Leute zu wenig Resilienz haben. Weil ihnen oft genug die Erfahrung von Stabilität fehlt. Manchmal denke ich mir: Könnte es sein, dass die Brüchigkeit des Lebens und die Polarisierung in der Gesellschaft auch deshalb so zunehmen, weil die Verankerung im Glauben so schwach geworden ist? Müsste man nicht – aus diesem Grund – Religion wieder stärker forcieren?
Peripherie: Ich beginne dort, wo ich Wachstumskraft bemerke. Dunkel: Ich investiere mich im Widerstreit der Kräfte und bringe etwas Licht hinein. Umkehr: Ich gebe Gott wieder einen wichtigeren Platz.
Ich kann immer damit anfangen. Auch am Ende des Semesters. Auch heute.
Jakob Bürgler
[1] Franz Kamphaus, Tastender Glaube. Patmos 2017, 98.
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Datum: 25.01.2026
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