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4. Adventsonntag
21. Dezember 2025
Die Geschichte von Josef, dem Träumer. Nicht ganz so bekannt wie die Erzählung vom Besuch des Engels bei Maria, aber auch nicht ganz fremd. Maria wird schwanger. Und Josef hat eine schwere Entscheidung zu treffen. Was soll er tun? Was ist in dieser Situation richtig und gerecht? Er ist, so sagt der Evangelist, ein gerechter Mann, und er möchte recht handeln.
Heute lade ich euch ein, mit mir nicht so sehr auf Josef zu schauen, sondern auf den, der hinter allem steht. Auf Gott. Was tut Gott? Was kann man über ihn erfahren? Die Bibel ist ja ein Buch, das von Gott und seinem Handeln in der Welt erzählt. Wer ist Gott und wie zeigt er sich?
Der Geschichte von Josef, der im Traum dem Engel begegnet, geht beim Evangelisten Matthäus eine lange Liste von Namen voraus. Es ist die Aufzählung aller Generationen vor Jesus und in gewisser Weise der Stammbaum Jesu. So ähnlich wie wenn wir Familienforschung betreiben. Woher stamme ich? Wer hat vor mir die Familie geprägt? So jetzt auch bei Jesus. Damit wird deutlich: Jesus fällt nicht einfach vom Himmel. Er ist Kind einer menschlichen Geschichte. Und diese Geschichte ist nicht nur gerade und schön. Auch das verschweigt Matthäus nicht.
Man könnte es auch so ausdrücken: Gott bereitet den Weg für Jesus von Generation zu Generation vor. Er lenkt die Geschichte. Er hat durch alles Auf und Ab nicht nur seine Hand im Spiel. Er trägt auch alles. Er hat alles in seiner Hand. Und er bereitet das Ankommen Jesu auch ganz persönlich vor: Indem er über den Engel mit Maria in Kontakt tritt und sie einlädt, ihm ihr Ja zu schenken, indem er auch über einen Engel mit Josef in Kontakt tritt, um ihn einzuladen, trotz aller Widrigkeiten und offenen Fragen dem himmlischen Projekt eine Chance zu geben und sich einbinden zu lassen. Gott bereitet den Weg.
Damals. Und heute. Kennst du das auch bei dir? Schaue einmal etwas tiefer auf deinen Lebensweg und überlege, wo Gott seine Hand im Spiel gehabt hat oder hat. Vor kurzem hat mir eine junge Frau erzählt, dass der Glaube, der ihr wichtig geworden ist, sicher nicht von ihr selber angestrebt worden ist. Sie hat gesagt: Da war Gott am Werk.
Und Gott arbeitet mit seinem guten Geist, mit dem Heiligen Geist. Zwei Mal wird im heutigen Evangelium betont, dass alles, was passiert, seine Wurzel im Heiligen Geist hat. Zuerst wird gesagt, dass Maria ein Kind erwartet „durch das Wirken des Heiligen Geistes.“ (Mt 1,18) Und dann im Blick auf Josef und die Einladung an ihn: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.“ (Mt 1,20)
„Jesus ist nicht etwa nur vom Geist Gottes erwählt und berufen, sondern aus seiner Kraft geboren. Im Unterschied zu den Führern und Propheten Israels ist der Geist nicht nur im Laufe seines Lebens über ihn gekommen, er begründet seine Existenz. Er bricht durch ihn in die Welt ein und eröffnet die messianische Heilszeit.“[1] Es ist vergleichbar mit dem allerersten Anfang der Welt. Da heißt es im Buch Genesis, dass der Geist Gottes über allem schwebt und das Leben entstehen lässt. „… das widerfährt in ähnlicher Weise Maria. Gottes Geist erschafft in ihr und durch sie die neue Schöpfung. Der Messias Jesus hat seinen Ursprung in der Schöpferkraft Gottes. In seinem Leben, in seinem Sterben und Auferstehen zeigt sich, wes Geistes Kind er ist. Er ist von Anfang an, im Ganzen seines Daseins vom Heiligen Geist.“[2]
Und wieder sind wir bei unserem Leben, bei deinem und bei meinem. Wenn jemand Christin oder Christ ist, dann geht das nur im Vertrauen darauf, dass der Heilige Geist am Werk ist, dass er wirkt, auch heute, auch jetzt. Gottes Geist schwebt nicht nur über den Wassern. Er schwebt über dir und mir. Er wirkt und arbeitet jetzt. Vielleicht ist es eine kleine Hilfe, sich den Geist Gottes weniger als Taube oder wie etwas Unheimliches vorzustellen, sondern wie den Atem. So wie ich den Atem brauche, damit ich leben kann, atmet in mir der Geist Gottes. Unaufhörlich. Und meine Aufgabe ist es, dem kreativen Potential dieses Geistes zu trauen.
Was tut Gott? Wie handelt er – damals und heute? Ein Blick auf das heutige Evangelium kann das sichtbar machen. Gott bereitet seinen Weg – auch in mir. Und Gott schafft neu, schafft Leben, erneuert und lässt wachsen – durch den Heiligen Geist – damals und heute. Bitten wir Gott, dass er bei uns anpackt. Dass er unser Leben formt und gestaltet. Dass er unser Ja, unser Vertrauen und die Hoffnung in uns vertieft und anfeuert.
Jakob Bürgler
[1] Franz Kamphaus, Tastender Glaube. Inspirationen zum Matthäus-Jahr. Patmos 2017, 25.
[2] Ebd.
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Datum: 21.12.2025
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