Epistula

Wir haben unsere "epistula" von Print auf Online umgestellt. Hier finden sich regelmäßig Nachrichten aus der Unipfarre und die Veröffentlichung der aktuellen Predigtreihe. Dies hier ist aber auch ein Freiraum für eigene Beiträge. Wenn Du einen Text beitragen möchtest, ein Gebet, Gedanken, schreibe uns einfach an office@unipfarre.at

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Auftauchen Jesu

Das öffentliche Wirken Jesu beginnt spät, sehr spät. Er ist bereits um die 30 Jahre alt. Plötzlich taucht er bei Johannes am Jordan auf, um sich taufen zu lassen. Im Markusevangelium sieht nur Jesus den Himmel offen und nur er hört die Stimme Gottes. Es scheint wie eine Selbstfindung, die ihm ermöglicht, von nun an – nach der Zeit in der Wüste – öffentlich aufzutreten. Am Beginn von Lebenswenden, ob Beruf oder Partnerschaften steht auch bei uns oft die Frage, wer und was bin ich, um dann mit dem Leben Antwort zu geben. Noch bevor Jesus Jünger findet, haben nach dem Johannesevangelium die Jünger des Johannes, einer von ihnen Andreas, ihn gefunden – als den Messias. Ob ihm das bei seiner Selbstfindung auch schon so bewusst war, wer er ist und für die Menschen sein wird? Nach Markus findet Jesus klassisch die Jünger, zuerst Simon Petrus und dann dessen Bruder Andreas. In diesen aufeinanderfolgenden Sonntagen thematisiert sich also das Suchen und das Sich-finden-lassen, das beide Male jeweils eine Antwort, eine Bestätigung des anderen erfordert. Als dann Jesus das erste Mal in der Synagoge saß und lehrte, erkennt ein unreiner Geist ihn als den Heiligen Gottes, als den, von dem alle Macht ausgeht. Der Dämon hat seinen Herrn gefunden und muss den Mann verlassen. Auch wir dürfen und sollen in Jesus den heilenden Gott finden. Das Auftauchen Jesu ist in den ersten 4 Sonntagen mit ist mit der Findung des Weges, des Auftrages, der Gefährten und des Wirkens verknüpft – Jesus Christus Messias für die Menschen.
 

Erwartungen

Alle Jahre wieder kommt der Advent, kommt Weihnachten. Was erwarten wir da (noch)? Zunächst sagen uns die liturgischen Texte, dass man sich auf ein langes Warten einstellen soll, denn man weiß nicht, wann der Herr kommt. Weihnachten ist am 24.12., das wissen wir, aber wann wir dem menschgewordenen Sohn begegnen, wir eine Jesusbeziehung haben werden, können wir nicht vorhersehen. Maria ist die Begnadete, von der Empfängnis an. Sie gibt ihre Zustimmung dem Engel Gabriel scheinbar leicht. Welche Erwartungen sie damit verknüpfte, wer weiß es. Wissen wir oft selbst nicht, was uns geschehen wird. Manchmal haben wir auch keine konkreten Erwartungen an Lebensabschnitte, oder auch bloß Vorlesungen, Treffen, Feiern etc. Die Gnade liegt vielleicht darin, offen zu sein für das, was kommt. Am 2. Adventsonntag tritt Johannes der Täufer als Bote auf, der auf den hinweist, der mit Geist taufen wird, Jesus. Schon einmal, im Mutterleib war Johannes der Bote für seine Mutter, als er in ihrem Leib hüpfte und so auf Jesus im Leib Mariens hinwies. Welche Boten auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu für uns haben wir, nehmen wir wahr. Daran schließt sich am 3. Adventsonntag die Frage, auf wen wir warten. Was wollen wir von Jesus, dem menschgewordenen Sohn? Ja, in der Christmette erfüllt sich die Verheißung, das adventliche Warten hat vorerst ein Ende. Erfüllt sich auch unsere Erwartung?

Mitdenken

Mitdenken ist angesagt, das sagen, würden wir manchmal gern Mitmenschen sagen, die handeln ohne anscheinend zu überlegen, ob ihr Tun situationsadäquat ist. Mitdenken ist das große Thema dreier Sonntage. Über die Weisheit nachzusinnen ist vollkommene Klugheit, denn die Weisheit will gesucht und gefunden werden. Geht es um die Weisheit Gottes, die Weisheit des Lebens, die Weisheit des Lebens vor Gott, all das könnte in uns zum Schwingen kommen, wenn wir diesen Text hören. Klugheit ist es, zu den Lampen auch noch Öl mitzunehmen, sich also nicht einfach auf andere Menschen oder Gott zu verlassen, sondern auch noch den eigenen Beitrag zu leisten. Doch das ist nur ein Gedanke, der im Evangelium von den klugen und törichten Jungfrauen noch eine andere Pointe hat.
Anmut und Schönheit sind vergänglich, was zählt sind unsere Charismen und Talente. Natürlich müssen wir diese einsetzen. Der Einsatz aber verlangt ein Mitdenken, ob die eigenen Ängste, Zwänge und Wünsche handlungsleitend sein sollen, oder ob es um das größere Ganze geht. Unser Handeln soll also bedacht sein – auch vor Gott.
Für wen tun wir was, das ist das Thema am Christkönigssonntag. Die Entscheidung für die Schafe Hirt zu sein, hat Folgen für den Hirt und auch für die Schafe. Im Matthäusevangelium wird das, was man für einen der Geringsten getan hat, als Dienst an Gott gedeutet. Wenn wir anderen helfen, denken wir meistens wohl nicht mit, dass dies auch „Gottesdienst“ ist. Doch erfüllt sich erst darin, das dreifache Leibesgebot.